27.04.2010 –
Nahrungsmittel
Kaum je nehmen wir die Nährstoffe in reinem Zustand, sondern meistens in Form von Gemengen mit zahllosen anderen Tier- und Pflanzenstoffen auf, und wir bezeichnen diese Gemenge als
Nahrungsmittel.
Wollte man dem Organismus die Nährstoffe (und auch zahlreiche Nahrungsmittel) im reinen Zustand darbieten, so würde er sie mit Ekel von sich weisen; sie sind geschmacklos und fade, und der Körper würde tatsächlich eher Hungers sterben, als die zu seiner Erhaltung erforderlichen Stoffmengen in dieser Form aufnehmen.
Erst ein eigentümlicher Wohlgeschmack, der durch die Gegenwart von allerlei Substanzen, die man als
Genussmittel bezeichnet, bedingt wird, lädt uns zur Aufnahme und zur Verdauung der Nahrung ein und macht die Nährstoffe überhaupt genießbar. Diese Genussmittel nun wirken nicht, wie die Nährstoffe, durch ihre Zersetzung auf die Erhaltung des Organismus ein, sondern üben einen eigenartigen nervösen Einfluss aus, durch welchen der Organismus zur Aufnahme und zur Verdauung der Nährstoffe angeregt wird. Zu solchen Genussmitteln gehören Pfeffer, Senf, Essig, Zwiebeln etc., und diesen den Speisen direkt zugesetzten Gewürzen schließen sich eigentümlich riechende und schmeckende Substanzen an, die erst bei der Zubereitung der Nahrungsmittel, z. B. beim Backen des Brotes, Braten des Fleisches etc., gebildet werden.
Eigentlich bestehen die Genussmittel aus Speisen und Getränken, die weniger ihrer nährenden als ihrer anregenden Wirkung halber genommen werden, z. B. Obst, Süßigkeiten, Kaffee, Tee, kohlensäurehaltige und alkoholische Getränke, Fruchtsäfte etc. Was die weitere Wirkung dieser Genussmittel betrifft, so sind viele derselben, wie Kaffee, Tee, alkoholische Getränke und Tabak befähigt, bei anhaltenden Strapazen und ungenügender Nahrungszufuhr, z. B. im Felde, das Gefühl des Hungers zu unterdrücken und die Leistungsfähigkeit des Körpers zu heben. Ein Verhalten, welches übrigens nur von dem gut genährten Organismus ohne Schaden ertragen wird. Diese sogen. kräftigende Wirkung beruht keineswegs auf einer Fähigkeit dieser Genussmittel, als Nährstoffe einzutreten oder den Nährstoffverbrauch zu verringern, sondern sie ist lediglich auf nervöse Einflüsse zurückzuführen, welche zu einer Hebung des Kraftgefühls führen. Man kann sie nicht mit Unrecht mit der Wirkung der Peitsche vergleichen, welche das Pferd zu größerer Leistung anregt. Sodann wirken die Genussmittel in hervorragender Weise auf die Verdauung ein; so wird z. B. die Speichelsekretion schon beim Anblick wohlschmeckender Speisen mächtig angeregt. Bei längerem Gebrauch eines und desselben Genussmittels stumpft sich dessen Wirkung ungemein ab.
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